"Wir brauchen neue, begehrenswerte Erzählungen"

"Nüchternheit ist keine Strafe. Sie ist ein Kompass für ein Leben, das mehr Geschmack, mehr Verbindungen und mehr Sinn hat". So fasst Julien Vidal sein Engagement zusammen. Als Gründer der Bewegung Ça commence par moi und des Podcasts 2030 Glorieuses hat er es sich zur Aufgabe gemacht, andere Erzählungen als die des unendlichen Wachstums vorzuschlagen. Seiner Meinung nach braucht unsere Zeit nicht den x-ten Aktionsplan, sondern vor allem wünschenswerte Geschichten. Solche, die Lust zum Handeln machen, die die Vorstellungskraft nähren, die uns in eine sanftere, gerechtere und bewohnbarere Zukunft entwerfen. Mit 2030 Glorieuses lädt er dazu ein, kollektiv, ernsthaft und freudig zu träumen. Und diesen Traum zu einem Ausgangspunkt zu machen.
" Wir wollen eine aktive Utopie schaffen"

Doch dazu muss man sich legitimiert fühlen, um zu träumen, und ausreichend unterstützt, um es konkret werden zu lassen. Genau darum geht es in den Workshops 2030 Glorieuses, die heute von über 400 ehrenamtlichen Guides in ganz Frankreich geleitet werden. Diese Workshops bieten den Teilnehmern zwei Stunden lang die Möglichkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen und eine Gesellschaft zu entwerfen, die einem selbst und anderen gut tun würde. Und jedes Mal die gleiche Überraschung: "Allein hätte ich es nie gewagt, so weit zu gehen". Denn hinter dem pädagogischen Ansatz verbirgt sich eine mächtige Erfahrung: die der Wiederverbindung mit dem Kollektiv, mit dem Elan, mit einer wiedergefundenen Form von Freiheit. Nicht eine naive Utopie, sondern eine aktive Utopie, die wirklich verändert.
". Die Freude ist mächtiger als die Angst"

Übrigens spricht Julien statt von Nüchternheit lieber von Genügsamkeit: ein sanfteres, fröhlicheres, verankerteres Wort. Er glaubt nicht an traurige Konsumverzichtserklärungen oder schuldbeladene Reden. Er glaubt an die Macht der Freude, an die Energie der Fantasie, an das vitale Bedürfnis, gemeinsam zu handeln. Und an die Idee, dass gerade in einer eingeschränkten Welt die schönsten Ideen entstehen können. Zu ihren Lieblingsquellen gehören die leuchtenden Erzählungen der Éditions de la mer salée, die Gedanken von Satish Kumar und die Musik von Xavier Rudd, die sie wieder mit dem Leben verbinden. All dies sind Stützpunkte, um unsere Erzählungen, unsere Verbindungen und unsere Art, die Welt zu bewohnen, neu zu erfinden.
Wussten Sie schon wo?
Was wäre, wenn wir damit beginnen würden, unsere kollektive Abhängigkeit vom Konsum zu erkennen? Das ist die Herausforderung der Anonymen Kapitalisten, einem von Julien Lamy erdachten Workshop. Inspiriert von Gesprächsgruppen schlägt er vor, unsere Widersprüche mit Klarheit... und Humor anzugehen. Denn um sich zu ändern, muss man sich erst einmal selbst ins Gesicht schauen, oder?

