Kaufen oder genießen, du musst dich entscheiden

In unserer Gesellschaft wird Genuss oft mit Belohnung in Verbindung gebracht. Wenn du hart arbeitest, kaufst du dir ein Restaurant. Wenn du die Woche überlebst, hast du dir einen Drink verdient. Genuss wird zu einem Produkt, einem Recht, das man konsumieren kann, aber niemals zu einem Zustand, den man kultivieren sollte. Chloé dreht den Tisch um. Für sie gibt es zwei Arten von Genuss: den unmittelbaren, kommerziellen, vergänglichen Genuss - und den radikalen, sensorischen, tiefen, kostenlosen Genuss. Das, das dich daran erinnert, dass du am Leben bist. "Wenn man ein bisschen kratzt", sagt sie, "was uns wirklich Freude bereitet, sind ganz einfache Dinge. In einem Park spazieren gehen. Einen Sonnenuntergang sehen. Tief durchatmen." Da sich diese Freuden aber nicht verkaufen lassen, werden sie unsichtbar gemacht.
Aus kleinem Vergnügen wird großes

Dem Vergnügen wieder einen Sinn zu geben, bedeutet auch, aus einer Logik des Habens auszubrechen und zum Sein zurückzukehren. Was Chloé vorschlägt, ist kein schuldbewusstes Öko-Manifest, sondern ein Umlernen. Sie spricht von alltäglichen Praktiken: Sich jeden Tag fragen: "Wo ist die Freude in dem, was ich tue?". Erkennen, was sich wirklich gut anfühlt - nicht das, was uns ablenkt oder uns ausweicht. "Oft sagen mir die Leute, dass sie nicht mehr wissen, was ihnen Freude bereitet. Aber wenn man nachbohrt, findet man: Momente der Verbundenheit, des Spielens, der Ruhe ...". Über das Vergnügen nachzudenken, ist politisch. Es bedeutet, aus der Norm des Produktivismus auszubrechen, es bedeutet, eine Revolution durch den Körper zu machen. Und sie beginnt klein: ein Schluck Wasser, ein Lachen, eine Umarmung. Und zwar kostenlos. Kraftvoll.
Weit weg vom Glitzer, nah bei den anderen

Aber für Chloé Lécrivain ist die wahre Quelle der Freude eine kollektive. In einer krisengeschüttelten Welt, in der die Erzählungen oft angstbesetzt sind, bekräftigt sie etwas Wesentliches: Selbst inmitten des Chaos bleibt das Vergnügen, zusammen zu sein. Zu kochen, zu wandern, zu basteln, zu kreieren, zu teilen. Dem Frühling beim Kommen zuzusehen. "Selbst wenn alles brennt, werden die Sonnenuntergänge bleiben", sagt sie. Das ist nicht naiv, das ist lebenswichtig. Genuss ist kein Luxus, sondern eine Verankerung. Eine Art, die Gesellschaft anders zu gestalten, indem man Verbindungen statt Besitz pflegt.
Zoom sanft: 3 Inspirationen zum Hören, Lesen, Fühlen
🎶 Musik: Spring is coming with a strawberry in the mouth von Caroline Polachek - eine seltsame, sonnige Pop-Ballade, perfekt, um den Frühling zu begrüßen. 📚 Buch: Emergent Strategy von adrienne maree brown - ein organisches Manifest, um den Wandel vom Lebendigen her zu denken. 🎙️ Podcast: Thunes - eine feine und tabulose Erkundung der Beziehungen zum Geld in all ihren Dimensionen.
